| BEGEGNUNGEN |
| Der eine setzt auf den gerechten Frieden. Für den |
| anderen ist |
| der gerechte Krieg |
| die Lösung. Und beide halten ihre Position für die wirklich christliche. |
| WOLFGANG HUBER, 60, ist seit 1994 Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Zuvor war er Theologieprofessor in Marburg und Heidelberg. Der CHRISMON-Herausgeber ist ein ausgewiesener Kenner der Theologie und des Lebens von Dietrich Bonhoeffer. Sein Augenmerk als Wissenschaftler richtet sich besonders auf Fragen der Rechts-, Wissenschafts- und Friedensethik. |
| RICHARD LAND, 56, ist Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit der Southern Baptist Convention. Die Southern Baptists sind mit rund 16 Millionen Mitgliedern die größte protestantische Kirche in den USA. Richard Land ist Exponent der religiösen Rechten und steht im Irakkonflikt an der Seite der amerikanischen Regierung. Er ist auch Radiokommentator der Sendung Für Glaube und Familie (www.faithandfamily.com). |
| Der nachfolgende Text entstammt einem E-Mail-Disput, den der Evangelische Senderbeauftragte bei Deutsche Welle TV (dem deutschen Auslandsrundfunk) für die Sendung Glaubenssachen initiiert hat. |
| DER ERSTE BRIEFWECHSEL |
| BISCHOF HUBER: Lieber Reverend Land, die Frage, die mich in dem Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak am allermeisten bewegt, ist diese: Mit welcher Berechtigung darf man einen Präventivkrieg einen gerechten Krieg nennen? Eine der entscheidenden Bedingungen dafür war früher stets, dass ein gerechter Krieg in jedem Fall defensiv sein musste. Bislang hat ja der Irak keinen Krieg gegen die USA angefangen. Aber die USA würden ihre Aktionen gegen den Irak gerecht nennen, ganz gleich ob sie diese nun als Präventivkrieg oder als vorweggenommene Verteidigung, als preemptive strike, bezeichnen. |
| REVEREND LAND: Lieber Bischof Huber, viele Amerikaner würden bestreiten, dass der Irak die USA bislang nicht angegriffen hat. Vor dem 11. September wurde angenommen, dass die USA sich allein durch die Abwehr irakischer Angriffe und durch Abschreckung schützen könnten, durch die glaubwürdige Drohung mit massiver militärischer Vergeltung auf einen irakischen Angriff. Was nach dem 11. September anders geworden ist. Wenn man es mit Selbstmordattentätern zu tun hat, Menschen also, die ganz versessen darauf sind zu sterben, ist Abschreckung und Vergeltung nicht ausreichend. |
| DER DEN KRIEG RECHTFERTIGT: Es reicht, |
| wenn die Waffe geladen und auf uns gerichtet ist |
| Konfrontiert mit kamikazeartigen Angreifern ist die einzig ausreichende Antwort darauf Vorbeugen und die Entwaffnung des möglichen Angreifers. Es ist klug, wenn unsere Regierung eine offensivere Strategie wählt und entwaffnende Erstschläge gegen einen blutrünstigen Feind plant, der seine Vorhaben und seine Waffen verbirgt. Wir haben viel darüber gehört, dass bisher keine smoking gun gefunden worden sei. Wenn man es aber mit Massenvernichtungswaffen zu tun hat, kann man nicht auf rauchende Waffen warten. Denn eine noch rauchende Waffe ist eine, die bereits abgefeuert wurde, die Tod und Zerstörung verbreitet hat. Es reicht, dass die Waffe geladen, gespannt und auf uns gerichtet wurde. Wenn das der Fall ist, haben wir das Recht zu verhindern, dass die Waffe auch noch abgedrückt wird. |
| DER ZWEITE BRIEFWECHSEL |
| BISCHOF HUBER: Lieber Reverend Land, es ist schon eine merkwürdige Erfahrung, dass wir uns kennen lernen bei einer E-Mail-Korrespondenz über eine der brennendsten Fragen unserer Tage, aber auch der ganzen Menschheit. Es ist die Frage, in welcher Situation Menschen berechtigt sind, andere Menschen zu töten. Als ich die Vereinigten Staaten von Amerika im vergangenen |
| Oktober besuchte, habe ich vor allem Menschen getroffen, die dem Plan Ihrer Regierung zu einem Krieg gegen den Irak kritisch gegenüberstanden. Es waren entschiedene Christen, davon überzeugt, dass wir dem Evangelium folgend uns um einen gerechten Frieden bemühen müssen, nicht um einen vermeintlich gerechten Krieg. Aber ich weiß auch, dass es Christen mit sehr unterschiedlichen Überzeugungen gibt. |
| Viele Menschen fragen: Wenn Christen so unterschiedlicher Meinung sind über Krieg und Frieden, warum brauchen wir dann überhaupt noch den Glauben in dieser Welt? Wer so fragt, führt die unterschiedlichen christlichen Äußerungen zu einem Krieg im Irak nur als ein Beispiel unter vielen an. |
| DER DEN KRIEG ABLEHNT: In welcher Weise |
| wird denn die Lage durch einen Militärschlag besser? |
| Ihre Einschätzung dazu, Reverend Land, interessiert mich sehr. Ich bin sehr erstaunt, wie sehr Sie sich auf eine politische Einschätzung Saddam Husseins und seiner Regierung konzentrieren. Die Tatsache, dass dieses Regime der Mittelpunkt zweier Kriege war, sollte man gewiss nicht beiseite schieben. Es ist sehr wichtig, gegen die Weiterverbreitung von neuen Massenvernichtungswaffen anzugehen und die bereits bestehenden zu zerstören. Aber es heißt auch: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden. Die Seligpreisung der Friedensstifter, der Pazifisten im eigentlichen Wortsinne, |
| gewinnt wieder an Bedeutung. Wie lässt sich in dieser Situation Frieden stiften? Das scheint mir für Christen die alles entscheidende Frage zu sein. Das Vorhandensein einer realen Bedrohung rechtfertigt nicht selbst schon die Anwendung von Gewalt. |
| In Deutschland und in den USA lehnen nicht nur prinzipielle Pazifisten einen Präventivkrieg gegen den Irak ab. Auch diejenigen, welche die Möglichkeit eines Militäreinsatzes als letztes Mittel nicht ausschließen würden, tun es er würde den Anforderungen der Lehre vom gerechten Krieg widersprechen. |
| Ich finde es wirklich erstaunlich, wie selbstverständlich Sie sich des Konzepts einer antizipatorischen oder einer präventiven Selbstverteidigung bedienen. Natürlich ist die Fähigkeit zur Antizipation, also etwas vorherzusehen und sich darauf einzustellen, stets eine wichtige Gabe Gottes an die Menschen. Aber diese Antizipation muss doch ein Mittel sein, Gewalt zu vermeiden, und nicht, sie einzusetzen. Die Prävention, also die Verhinderung eines Krieges, ist eine wichtige politische Aufgabe. Aber die Idee eines Präventivkrieges bedeutet an sich schon die Kapitulation der Politik. |
| Meiner Kenntnis nach hat die christliche Ethik bislang niemals die Idee eines Präventivkrieges akzeptiert außer für den Fall einer unmittelbar drohenden Aggression, die gerade noch rechtzeitig durch solch ein Mittel verhindert werden könnte. Mit größter Zurückhaltung würde man allenfalls darüber nachdenken, ob militärische Gegengewalt den unmittelbar drohenden Einsatz solcher Waffen verhindern könnte. Aber in Ihrer Beschreibung liegt die Betonung nicht einmal auf dem Aspekt, ob dieser Einsatz von Gewalt präventiv wirksam sein könnte. |
| Mir kommt es so vor, als ob Sie sich völlig auf die Frage der Vergeltung statt auf die der Prävention konzentriert haben. Sie sagen anscheinend: Das gegenwärtige Regime im Irak ist böse, daher ist der Einsatz von Gewalt gerechtfertigt. Ich finde keine ausreichende Basis für diese Denkweise in den Lehren des Neuen Testaments oder in den Erkenntnissen der christlichen Soziallehre. Darüber hinaus habe ich ernste Zweifel angesichts des möglichen Ergebnisses dieses Einsatzes von Gewalt. In welcher Hinsicht wird denn die Lage nach einem Militärschlag besser sein als die Lage zuvor? |
| REVEREND LAND: Sie sagen: Viele überzeugte Christen sind sich sicher, dass wir uns dem Evangelium zufolge um einen gerechten Frieden und nicht um einen gerechten Krieg bemühen sollten. Zunächst: Das Ziel der Bibel ist nicht Frieden es ist Gerechtigkeit. Jesu Ziel ist nicht Friede, es ist Gerechtigkeit. Daher geht es nicht um einen Frieden um jeden Preis, sondern um Gerechtigkeit. Sich um Saddam Hussein zu kümmern führt zu Gerechtigkeit. Krieg ist immer eine schreckliche Angelegenheit, aber wie John Stuart Mill schon vor vielen Jahren klargestellt hat: nicht immer die schrecklichste. |
| Jesus sagte, dass wir auch die andere Wange hinhalten sollen, wenn wir auf die eine geschlagen werden, und dass wir Böses mit Gutem vergelten sollen. Da spricht er uns als Einzelne an. Wir haben in diesem Fall nicht das Recht, Gewalt bis zum Tod anzuwenden. Wenn Sie meine Frau umbringen, habe ich nicht das Recht, Sie zu töten. Aber ich habe ein Recht zu erwarten, dass die Obrigkeit Gerechtigkeit übt, wie es zum Beispiel im Römerbrief, Kapitel 13, steht. Die Bibel sagt, dass Gott der Obrigkeit aufgetragen hat, Übeltäter zu bestrafen und diejenigen zu belohnen, die das Rechte tun. Daher habe ich das Recht, von der Obrigkeit zu erwarten, dass sie Sie dafür tötet, dass Sie meine Frau getötet |
| haben. Ich glaube, dass die Todesstrafe dafür angemessen wäre. |
| Wenn manche Menschen sagen: Ich bin Christ und ich bin gegen Krieg, würde ich zurückfragen: Na ja, wer ist schon für den Krieg? Niemand ist für den Krieg. Krieg ist manchmal eben nur das geringere Übel. Ich glaube, es gibt einfach zu viele Christen, die sich in das hineinsteigern, was man als vorwegnehmende Versöhnung bezeichnen könnte. Sie glauben, dass ein Feind immer versöhnt werden kann dass er eigentlich ein netter Typ ist. |
| Damit unterschätzt man völlig die Macht des Bösen. Saddam Hussein ist böse. Ich muss da Martin Luther King jr. zitieren, der eine entscheidende Unterscheidung gemacht hat: Falls dein Gegner ein Gewissen hat, folge Gandhi in die Gewaltlosigkeit. Wenn dein Feind kein Gewissen hat so wie Hitler, dann folge Dietrich Bonhoeffer. Bonhoeffer war ein christlicher Pazifist, der schließlich zu dem Schluss kam, dass es seine ethische Pflicht als Christ war, an einer Verschwörung und einem Attentatsversuch gegen Hitler teilzunehmen. Wir haben es bei Saddam Hussein nicht mit einem Feind zu tun, der ein Gewissen hat, sondern mit einem Diktator. |
| Reverend Land© AP |
| DER DRITTE BRIEFWECHSEL |
| BISCHOF HUBER: Ich muss offen zugeben, dass ich von Ihrer Bibelauslegung, Dr. Land, sehr überrascht bin. In meinem Verständnis hat das Konzept des Shalom, des Friedens, eine sehr zentrale Bedeutung. Wenn Jesus in der Bergpredigt über die Friedensstifter spricht, die Pazifisten, finde ich keine Distanz Jesu zum Frieden. Ja es ist sogar so, wie Dietrich Bonhoeffer es gesagt hat: Jesus nachzufolgen heißt, für Frieden und Gerechtigkeit zu arbeiten. |
| Es ist eine ganz extreme Situation für einen Nachfolger Jesu, wenn er oder sie zu dem Schluss kommt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, menschliches Leben zu schützen gegen die tatsächlich ungerechte Gewalt eines anderen, als selbst Gewalt zu gebrauchen. Bonhoeffer sah sich einer solchen Situation gegenüber. Seine Bemühungen waren jedoch leider nicht erfolgreich. Daher können sie nicht als Beispiel für einen erfolgreichen Versuch dienen, einen Diktator mit Gewalt zu stoppen. Es ist für mich vollständig unannehmbar, eine Parallele zu ziehen zwischen dem Beispiel Bonhoeffers und den Vorbereitungen der stärksten Nation dieser Erde auf einen Krieg, in dem die modernsten Waffen benutzt werden und der die Illusion erzeugt, man könne einen realen Krieg mit einer Computersimulation vergleichen. |
| DER DEN KRIEG ABLEHNT: Es gibt keine Parallele |
| zwischen Bonhoeffer und diesem Krieg |
| Ihre Überlegungen, Dr. Land, sind offensichtlich nicht bestimmt von dem Ziel eines gerechten Friedens, sondern von dem Gegensatz zwischen Frieden und Gerechtigkeit. Doch was für eine Gerechtigkeit ist das? Offensichtlich die Gerechtigkeit der Rache, der Vergeltung. Ihr Beispiel eines Mordes macht klar, worauf Ihr Argument hinausläuft: Nicht ich als Person, sondern der Staat als mein Stellvertreter hat gemäß Ihren Darlegungen das Recht und die Pflicht, den Mörder meiner Frau zu töten. Die Todesstrafe ist in Ihren Augen nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig. Wenn wir dem folgen, müssen wir annehmen, dass ein Krieg gegen den Irak eine Art Todesstrafe für Saddam Hussein sein soll die Todesstrafe gegen einen Kriminellen, der an der Macht ist. |
| Diese Sicht der Dinge ist für mich unannehmbar. Saddam Hussein müsste als Verbrecher vor einem internationalen Gerichtshof erscheinen! Er muss verurteilt werden. Er sollte nicht von den Vereinigten Staaten ohne Prozess hingerichtet werden. Zudem müssen wir uns darüber im Klaren sein: Es ist ziemlich ungewiss, ob Hussein durch Bomben in diesem Krieg umkommt. Aber es ist leider ziemlich sicher, dass viele Zivilisten in Bagdad und anderen Städten des Irak Opfer dieses Krieges sein werden. Es ist unmöglich, den Tod dieser Menschen mit Vergeltung zu rechtfertigen, mit Rache, die Sie, Dr. Land, Gerechtigkeit nennen. Ich bedauere, dass ich so klare und vielleicht auch unhöflich deutliche Worte gebrauchen muss. Aber diese Frage rührt für mich wirklich an das Herz meines persönlichen Glaubens und ich denke: des christlichen Glaubens überhaupt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus das Richtschwert zur Rache gebraucht. Ich finde keinen Beleg dafür, dass er dies Gerechtigkeit nennt. |
| REVEREND LAND: Wir meinen alle, Christen zu sein. Aber es gibt solche Abweichungen innerhalb des christlichen Glaubens, dass man zögern muss bei der Feststellung, dass wir demselben christlichen Glauben angehören. Es gibt zum Beispiel viele Menschen im Westen, die beanspruchen, Christen zu sein, aber nicht an die körperliche Auferstehung glauben. Es gibt andere, die behaupten, dass es andere Wege zum Heil gibt neben dem Glauben an Jesus Christus. Und andere halten es für ethisch vertretbar, in einer homosexuellen Beziehung zu leben. Die dem Glauben Fernstehenden sind gewohnt, solch vielstimmigen Missklang zu hören. Deshalb glaube ich nicht, dass es für diese Menschen ein Problem ist, dass Christen über diesen Krieg uneins sind. Sie sind auch über so ziemlich alles andere uneins. |
| Ich fürchte, viele Leute innerhalb der unterschiedlichen christlichen Traditionen sind zu dem Schluss gekommen, dass dies kein gerechter Krieg sei. Einige haben es direkt so gesagt, auch mir. Einige Protestanten haben mir gesagt: Krieg ist niemals zu rechtfertigen. Da bin ich allerdings anderer Meinung. Der Krieg gegen Hitler war gerechtfertigt. Wir würden heute in einer schrecklichen Welt leben, wenn Hitler nicht besiegt worden wäre. Das schließt auch die Deutschen ein. Jedermann würde heute in einer schrecklichen Welt leben, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Ich glaube, wir müssen auch verstehen, dass es im gegenwärtigen Disput auch um theologische Differenzen geht. Ich persönlich glaube, dass sich vieles erklärt durch einen Verlust des Konzepts und des Begriffs des Bösen jedenfalls bei einem großen Teil der Menschen in den westlichen Traditionen des Christentums. Diese Leute glauben an das grundsätzlich Gute im Menschen oder zumindest an das Neutrale des Menschen in einem solchen Ausmaß, dass sie überhaupt nicht mehr das enorme Böse eines Menschen wie Saddam Hussein |
| begreifen können, für den kein menschliches Leben irgendeinen Wert hat außer seinem eigenen. Er hat das ganz deutlich gemacht. Sein persönlicher Held ist Josef Stalin, einer der zwei größten Massenmörder aller Zeiten neben Adolf Hitler. |
| Bischof Huber© Dominik Butzmann |
| DER VIERTE BRIEFWECHSEL |
| BISCHOF HUBER: Ja, es stimmt, dass es Unterschiede zwischen Christen gibt. Diese Unterschiede beziehen sich auf die Deutung grundsätzlicher Glaubensfragen ebenso wie auf ethische Fragen. Aber es gibt für uns keinen Grund, über diese Unterschiede zu schweigen. Wir müssen darüber reden. Wir müssen uns kritischen Fragen aussetzen und unsere Positionen überprüfen: nach dem, was die Bibel sagt, und nach dem, was die menschliche Vernunft sagt wie es Martin Luther so eindrücklich erklärt hat. |
| Der entscheidende Punkt beim ethischen Nachdenken ist für mich, dass wir mit einem sehr einfachen Anfangspunkt beginnen müssen: Als Christen bekennen wir den einen, den dreieinigen Gott. Weil wir ihm allein die Ehre geben, bekennen wir uns zur gleichen Würde des Menschen. Alle müssen in ihrer Unversehrtheit respektiert werden. Diese Überzeugung führt nicht zu Blindheit gegenüber den Verbrechen der Menschen, dem gebrochenen Frieden, den unrechten Taten. Sondern sie führt zu einer besonderen Art des Umgangs mit dem Bösen im menschlichen Leben, in der zwischen der menschlichen Person und ihren bösen Taten unterschieden wird. Sie führt zu der Aufgabe, sogar den Übeltäter zu integrieren. Sie führt zu einer Ethik des Einbeziehens, nicht des Ausschließens. Ich finde diese Art von Ethik nirgendwo in Ihren Argumenten wieder, Dr. Land. Da liegt mein Problem mit Ihnen. Hinzu kommen unsere Unterschiede in den politischen Beurteilungen. Sie machen mir zum Beispiel nicht deutlich, dass für Sie militärische Gewalt die allerletzte Möglichkeit ist. Mehr noch: Sie geben nicht zu erkennen, dass zunächst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein müssen, so dass nichts mehr bleibt außer der Anwendung von Gewalt. Ich finde bei Ihnen auch keinen Gedanken zu den Auswirkungen des Krieges auf die internationale Gemeinschaft, zur Geltung des Völkerrechts, zur Funktion der Vereinten Nationen. |
| DER DEN KRIEG RECHTFERTIGT: Irgendwann |
| muss man begreifen, dass der Feind böse ist |
| REVEREND LAND: Ja, es ist wahr: Selig sind die Friedensstifter. Aber derselbe Jesus, der dies sagt, macht Frieden durch Krieg. Im biblischen Buch der Offenbarung, Kapitel 19, steht zu lesen, wann dies ist: wenn Gott zurückkehrt in den letzten Tagen und die Armeen des Antichristen vernichtet. Wir haben Saddam |
| Hussein jede Gelegenheit gegeben, sich den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu fügen. Er hat nicht einer von ihnen zugestimmt oder sich an eine einzige gehalten, und er wird es auch nicht tun. Es gibt einen Punkt, an dem man begreifen muss, dass der Feind böse ist und die einzige Art, mit ihm fertig zu werden, die Anwendung auch von todbringender Gewalt ist. |
| BISCHOF HUBER: Sie mögen meinen, Ihr Feind sei böse. Jesus sagt dennoch: Liebe deine Feinde. Sie mögen denken, dass Ihr Feind kein Gewissen hat. Bonhoeffer sagt dennoch: Ihn zu töten bedeutet Schuld. Bonhoeffer war in einer Situation, in der er mit Notwendigkeit schuldig werden musste, um eine noch größere Schuld zu vermeiden. Ich vermisse dies gänzlich in Ihren Überlegungen. Da gibt es ein völliges Auseinanderklaffen zwischen Böse und Gut, Dunkelheit und Licht. Jesus als das Licht zeigt aber doch die Dunkelheit nicht nur im anderen, sondern auch in mir selbst. Er deutet doch nicht nur auf das Böse im anderen, sondern auch in mir. Wer Gewalt im Verhalten von anderen kritisiert, muss zunächst einmal kritisch gegenüber seiner eigenen Gewaltneigung sein. |
| PROTOKOLL: KLAUS MOLLERING |
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| Dieser E-Mail-Disput entstand kurz vor dem Krieg im Irak. Inzwischen ist Realität geworden, was damals noch verhinderbar erschien. |
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| Um jetzt die Not leidende irakische Bevölkerung zu unterstützen, haben die Kirchen zu Geldspenden aufgerufen. |
| Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden unter dem Kennwort: Irak, Spendenkonto 502 707 bei der Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70 |
| und wirf es hinaus. |